TEXTE, REZENSIONEN

Andreas Fellinger: Josef Novotny – Ein neuer Musikertypus
Porträt, mica, Januar 2013

Ernst Mitter: Zufall und Planung
Porträt, freiStil #100, März/April 2022

Kathrin Kirsch: Musik als Anfang und Ereignis in Die Novotnyorgel 1.0.1
im Katalog ARS BOREALIS 48, Nana Schulz – Die Novotnyorgel V.1.0.1, Kiel, 2022

Siegfried Oechsle: Spiel der Komposition(en): Orgel – Film – Musik
im Katalog ARS BOREALIS 48, Nana Schulz – Die Novotnyorgel V.1.0.1, Kiel, 2022


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über prolifics – Josef Novotny & Peter Herbert
col legno music

»Zwei stille Giganten haben sich da in der Coronazeit zusammengefunden und haben einen kleinen, eigentlich großen Schritt zusammen gemacht. Eine intime Interaktion, ein Zusammenspiel, das auf vielen Ebenen basiert und funktioniert. Ein echtes Miteinander von zwei Klang- und Ideentüftlern. So kann man der Enge und dem Kleinmut entkommen. Die durchnummerierten Stücke prolific I-VII haben Charakter, sind keine Ohrwürmer, sondern Sendemasten im trüben Licht unserer komischen Zeiten. Der Pianist Josef Novotny am Klavier: sehr enthaltsam und zurückgenommen, trotzdem beredt, die Electronics sind sparsam eingesetzt. Peter Herbert am Bass schafft es, ein wunderbarer Ruhepol, eine Oase des Wohlbefindens, zu sein. Wenn Theorie und das musikalische Grundgerüst einer Generation sich auf knapp 36 Minuten verdichten, wie auf dieser CD, dann kann man schon von einem Vermächtnis sprechen. Ganz große Empfehlung, und hoffentlich bald live zu hören! (ernst)«
Ernst Mitter / freiStil #105, Jänner/Februar 2023, S.20


»Zwei Ästheten mit exzeptionellem Maß an instrumentaler Persönlichkeit. Autoritäten der Wahrhaftigkeit. Josef Novotny, einer der sich ob seiner Fähigkeiten in den letzten Jahren im zeitgenössischen Musikleben viel zu rar gemacht hat, hier als relevanter Pianist/feinsinniger Elektroniker und Peter Herbert, die europäische Bass-Instanz, ist hier ein Kleinod „gekämmerter“ Raffinesse gelungen, welches sich gelassen über stilistische Ordnungen erhebt. Harmonisch/melodisch strebt die Musik, in knappe, prägnante Episoden unterteilt, von innen nach außen, womit eine rhapsodische Abstraktion fassbar wird. Den Tönen Raum gebend, der Musik Substanz einspeisend. Nicht nur geschickte rhythmische Markierungen, gefasst in Subtilitäten freien Rubatos, sondern auch Dialogfähigkeiten erster Güte. Zudem, beide Koryphäen in der Lenkung von Dynamik. Mit sensorischem Intuitionsgeschick bzw. quirligen Phantastereien und der Fähigkeit Formbewusstsein und ad hoc-Schöpfungen in ein homogenes, sehr elastisches Ereignisgefüge einzubetten, heben die zwei Virtuosen einen berauschenden Entwurf reifster Improvisationskunst aus der Taufe – Jazznähe, Jazzferne und einiges dazwischen. In ihrer Wirkungsweise ist diese, in präzis zusammengezogenen Verlaufsbögen gegossen, eine Ebene der Transzendenz erreichende Gratwanderung entlang der Zustände quecksilbriger Exaltiertheit, bizarr subtiler Geräuschhaftigkeit, verwinkelter Melodik und vertrackter Harmonieschichtungen. Mit der Konsequenz einer eigenen, uneingeschränkten tonalen Ausleuchtung. Früchte einer befreiten Poesie. hasch«
Hannes Schweiger / Concerto 1/2023, S.58

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»... Vorprogrammierte Computerspuren geben improvisatorischem Freiraum einen festen Teppich, denn: freier als frei gehts auch im freestyle nicht. Dies wissend faszinieren Keyboarder Novotny und Saxfreak Nagl mit einem Klangbekenntnis, das sicherlich zum Feinsten gehört, was Österreich in letzter Zeit hervorgebracht hat ...«
(MOZ) 1989 über die CD Amen#, EX 96


»... „Lunatic Fringe“ [...] beginnt bei Novotnys eigenwilliger Darstellung eines Satzes aus Olivier Messiaens „L’Ascension“ und endet bei Madonnas „I promise to try“. Zwischen diesen ästhetischen Polen, die eigentlich auf eine bizarre Postmoderne hinweisen, spannen Nagl, Novotny und Stangl ihre musikalischen Seile. Sie sind tragfähig gerade im Verzicht auf ständige Anleihen, da das spontane Musikantentum allerorten dialogisch-ruppige, durchwegs kurzweilige Szenarien voller freigelassener Klangphantasie hervorbringt ...«
wg / Salzburger Nachrichten vom 8.7.1992 über die CD Lunatic Fringe, EX 153


»... Mit Hilfe von elektronischer Bearbeitung seines Spiels auf diversen Instrumenten und von Sampling schafft Novotny weite, menschenleere Klanglandschaften von eisiger Pracht, aber auch atmosphärisch dichte Stücke mit materialschweren großorchestral anmutenden Attacken oder dramatischen Orgeleruptionen.«
Klaus Nüchtern / FALTER 50 /96 über die Solo CD Manöverboard, EX 268


»... Richard Barrett is very physical when he plays the Powerbook: fantastic stuff. Josef Novotny in Austria almost doesn’t have to play, he looks so impenetrably still — he wears black clothes, looks like a martian ...«
Roger Turner / THE WIRE, Dezember 2000 über Josef Novotny


»... While all this is going on, Lehn creates thundering crescendos, Löschel’s keyboard tone ranges between the single-note repetition to that of an ersatz prepared piano, then Novotny’s Morse code emulation morph into what sounds like an explosion in the electronics factory ...«
Ken Waxman / JAZZWEEKLY, März 2002 über „antasten“